Zürcher Herbstpreis I – Spätsommerliches Sonnenbaden oder „Wer findet den Wind?“

Am vergangenen Wochenende empfing der Zürcher Yacht Club 10 Lacustre-Crews zum Herbstpreis I, gemeinsam mit einer grossen Schar von Yngling-, Onyx-, Dynamic 35- und Aphrodite 101-Seglern. Der Flottenpräsident hatte im Vorfeld der Regatta nicht nur Kaiserwetter, sondern auch eine schöne Bisenlage prognostiziert. Zur Hälfte lag er immerhin richtig. Die Crews durften sich noch einmal ein Wochenende lang an der spätsommerlichen Sonne wärmen, ihren bereits wieder verblassten Teint aufbessern und mit einem kühlen Bier in der Hand den Blick auf Zürichsee und Alpen geniessen. Nur mit der angekündigten Bise war das so eine Sache. Sie kam am Samstag erst spät und nur äusserst zaghaft und blieb am Sonntag ganz aus. Doch alles der Reihe nach:

Am Samstag wurde nach dem Mittag bei rund 1 Bft aus nördlicher Richtung ausgelaufen und um halb vier Uhr zu einem abgekürzten Lauf gestartet. Der Wind spielte Katz und Maus mit den Seglern: Hier ein Kräuseln, dort ein Dreher. Als sich das Lacustre-Feld allmählich der Luvtonne näherte, schien sich der Wind einen Moment lang sogar vollständig zu verabschieden. Die Crews mussten weit ins Lee rücken, um noch halbwegs unbeschadet durch die teils monströsen Motorbootwellen zu pflügen. Doch wie bei dieser Windlage üblich, gewann der Wind kurz darauf wieder an Kraft, sodass die Boote nun mit gefüllten Spinnakern und 3 bis 4 Knoten Fahrt Richtung Leefass segelten. Unserem lieben Freund und Wettfahrtleiter Sascha Osterwalder schien inzwischen jedoch der Geduldsfaden gerissen zu sein; und so staunten die Segler nicht schlecht, als plötzlich der Bojenleger mit der Flagge N (Abbruch der Wettfahrt) durch das Feld raste. Die führende Crew des Gastgeberclubs, die beim Abbruch gerade im Begriff war, die Leetonne zu runden, machte dann auch keinen Hehl daraus, dass sie gerne noch ins Ziel gesegelt wäre. Welche Schlüsse ziehen wir daraus? Erstens, als Wettfahrtleiter kann man es nie allen recht machen. Zweitens setzt sich die Wettfahrtleitung des ZYC gewiss nicht dem Verdacht aus, die eigenen Boote begünstigen zu wollen.

Es folgte ein zweiter Start, wiederum zu einem verkürzten Lauf und bei vergleichbaren Bedingungen. Als erstes erreichten SUI 108 Mashur und 257 Atlantide das Luvfass, gefolgt von 38 Mephisto, 201 Barbarella und 97 Porzana. Im arg abflauenden Wind war guter Rat teuer. Während Mashur und Atlantide sich auf der Goldküsten-Seite Luvduelle lieferten, setzten die anderen Boote mehr auf die Kursmitte. Zu Recht, wie sich herausstellte. Die Spinnaker gingen zwar auch dort baden, doch steuerten Keller/Frefel/Näf ihren Mephisto gekonnt durch die tückischen Windlöcher hindurch, rundeten als erste das Leefass und liessen danach nichts mehr anbrennen. Sie gewannen den Lauf souverän, gefolgt von Porzana und Barbarella, während Atlantide und Mashur das Nachsehen hatten. Zwar meinte danach der Mephisto-Skipper in seiner Bescheidenheit, dass ihm das Glück zur Hilfe geeilt sei. Seine langjährige Reviererfahrung dürfte ihm bei der Kurswahl aber nicht geschadet haben, lag doch die Regattabahn nur wenige hundert Meter von seiner Boje entfernt. Wie auch immer: Er hatte den richtigen Riecher, und darauf kam es beim einzigen gültigen Lauf dieses Wochenendes an.

Am Sonntag warteten die Crews dann vergeblich auf Wind. Silke Loretz und ihr Gastroteam verstanden es jedoch einmal mehr, die gegen 100 Segler nach Kräften zu verwöhnen und ihnen die Warterei mit allerlei Köstlichkeiten zu versüssen. Nebst der Gratulation an die Sieger bleibt nur noch dem Regattakomitee sowie allen Helfern auf dem Wasser und an Land ein grosses Dankeschön auszusprechen. Am kommenden Wochenende können die Sieger am Herbstpreis II nochmals herausgefordert werden.

Martin Zobl

Anbei die Rangliste

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