Revision der „Technischen Klassenvorschriften 2010“

Liebe Lacustre-Familie

Die Lacustre ist zuerst und vor allem eine Einheitsklasse. Sie wurde von H. Copponex als schnelle Regattayacht konzipiert und mit relativ wenig Annehmlichkeiten, die sie aber nötigenfalls zu einem familientauglichen Fahrtenboot machen können. Weil die Boote streng vermessen werden, haben alle eine faire Chance an Regatten vorne mit dabei zu sein. Es gelingt deshalb immer wieder, an den Schweizermeisterschaften und weiteren Regatta-Anlässen grosse Teilnehmer-Felder zu mobilisieren.
Damit dies auch in Zukunft so bleibt, sind wir bei technischen Neuerungen sehr darauf bedacht, die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Flotte nicht zu gefährden. Der Blick aufs Wasser zeigt, dass dies bis anhin gut gelungen ist. Traditionell geplankte Boote messen sich ohne Nachteil mit glasfaserverstärkten, formverleimten und neuerdings auch Komposit-Booten.

Der Blick zurück zeigt auch klar, dass sich unsere Klasse seit den Anfängen stark entwickelt hat und wohl auch weiter entwickeln wird. Dass dabei die Klassenvorschriften immer wieder entsprechend angepasst werden müssen, ist unumgänglich. Dies muss aber in kleinen Schritten geschehen und in einem demokratischen Prozess, der allen Bootseignern die Möglichkeit gibt, sich einzubringen.

Beim Studium des vorliegenden Vorschlages kann man erkennen, dass auch dieses Mal die Anpassungen mit der gewohnten Behutsamkeit ausgeführt wurden. Niemand muss befürchten, aufgrund der neuen Regelungen an Konkurrenzfähigkeit einzubüssen. Die formverleimte Bauweise, die mittlerweile am häufigsten gebaut wird, litt in den bisherigen Bestimmungen unter stiefmütterlicher Behandlung. Dieser Mangel wurde behoben und der Bezug zur traditionellen Bauweise fällt weg. Damit werden auch die bekannten Schwachpunkte beim Innenkiel zugunsten einer verbesserten Werterhaltung beseitigt.

Bei der ebenfalls überarbeiteten Deckskonstruktion wurden wesentliche, kostenrelevante Vereinfachungen eingeführt. Die Anzahl der Decksbalken wird reduziert. Beim Kajütaufbau bleiben wir nahe am Original Copponex, lassen aber die Detailausführung bewusst offen. Wer lieber die klassische und kostengünstige Bauweise hat, soll diese realisieren können. Die anderen bauen formverleimt mit dem entsprechenden Aufpreis.

Generell wurde bei der Überarbeitung darauf geachtet, dass preisgünstige Konstruktionen ermöglicht werden. Es werden keine Teakdecks vorgeschrieben und bei den Holzarten orientieren wir uns an den physikalischen Eigenschaften und nicht an bestimmten Arten. Ziel der Revision der TV ist, mit den erwähnten Neuerungen die für alle verbindliche Basis für unsere Klasse zu konsolidieren. Nachdem in den letzten Jahren der «Innovationsdrang» einiger Eigner und Erbauer für Unmut und rote Köpfe gesorgt haben, soll die Revision wieder Klarheit und Ruhe bringen und für die Regatta- Segler gleich lange Spiesse.


Während der Vernehmlassungsfrist vor der GV (Deadline 31. Dezember 2009) haben alle Bootseigner nochmals Gelegenheit, Änderungsvorschläge einzureichen. Die technische Kommission und ihr Beirat von Swiss Sailing werden diese wohlwollend beurteilen und wenn möglich angemessen berücksichtigen. Bei grundsätzlichen Differenzen wird im Plenum an der GV darüber abgestimmt. Bedingung ist, dass die Vorschläge schon weitgehend ausformuliert bei uns eingehen.

Es muss nun allerdings darauf aufmerksam gemacht werden, dass es noch vier Probleme gibt, über die man mit Fug und Recht geteilter Meinung sein kann. Die betreffenden Artikel wurden je in zwei Varianten – A und B – formuliert, über die an der GV abgestimmt werden kann:

  1. Mastkonstruktion:
    Es ist unbestritten, dass die spezifizierte Aluminium-Konstruktion, die sich in jeder Hinsicht bestens bewährt hat, als Einheits-Rigg der Lacustre zu betrachten ist. Die Meinungen, in welcher Art auch Holzmasten zugelassen werden sollen, sind jedoch geteilt. In Artikel 8.1.4 werden zwei Varianten für die betreffende Spezifikation unterbreitet.
  2. Vorrichtung zum Vortrimmen des Mastes:
    Es soll nicht verboten werden, den Mast auf dem Vorwindkurs nach vorne zu trimmen. Es stellt sich jedoch die Frage, auf welche Art das Vortrimmen durch eine bestimmte Vorrichtung aktiv unterstützt werden darf. In Artikel 8.3.9 werden zwei Varianten für die entsprechende Festlegung vorgeschlagen.
  3. Spezifikation der Genua:
    Es werden zwei Varianten für die Spezifikation der Genua zur Abstimmung unterbreitet. Es geht um die Frage, ob weiterhin auch kleinere Genuas verwendet werden dürfen. Es soll ausserdem entschieden werden, ob bei den kleineren Genuas Segellatten wie in der Fock zugelassen werden sollen, sofern die Umrisse in ein Dreieck mit den Maximalmassen der Genua passen.
  4. Anzahl der Vorsegel an Wettfahrten:
    Bisher waren an Wettfahrten 2 Genuas und eine Fock zugelassen. Um die Kosten möglichst tief halten zu können, soll in Zukunft nur noch eine Genua mitgeführt werden dürfen. Die beiden Möglichkeiten werden im Artikel 9.10.1 zur Abstimmung unterbreitet.

Alle Eigner sind jetzt nochmals aufgefordert, sich eine Meinung zur revidierten TV zu bilden und diese so früh wie möglich vor der GV der technischen Kommission zur Kenntnis zu bringen. Es gilt wie immer «ein Schiff = eine Stimme».

Eine Diskussion zu dem vorliegenden Entwurf kann im Technik Forum stattfinden. Formelle Anträge auf Änderungen sind als ausformulierte Textvorschläge mit eindeutigem Hinweis, auf welches Kapitel sich der Antrag bezieht  immer auch per eMail an Walter Müller ( w.mueller@enerprice-partners.ch ) zu richten.

Abschliessend noch ein kleiner Ausblick zum weiteren Vorgehen:
Die revidierte und von der GV beschlossene TV tritt in Kraft, sobald sie von Swiss Sailing genehmigt worden ist. Für das kommende Jahr werden aber noch weitere grundlegende Aufgaben auf die technische Kommission zukommen. Vor etwas mehr als einem Jahr hat die Vermessung eines Neubaus, der auf Basis eines 3D-Volumenmodells gebaut wurde, Abweichungen an den Messpunkten aufgewiesen. Die technischen Kommission ist dieser Frage auf den Grund gegangen und als Folge dieser Überprüfung wurde ein genaueres 3D-Volumenmodell der Originallinien erarbeitet, das in Zukunft den Lizenznehmern zur Verfügung gestellt werden kann. Wir machen damit einen wichtigen Schritt in Richtung computerunterstützter Herstellungsverfahren mit entsprechender Kostenreduktion. Auf der Basis des 3D-Modells werden ein neuer zeitgemässer Linienplan und diverse Baupläne gezeichnet sowie die entsprechenden Vermessungsschablonen hergestellt. Es ist das Ziel, die neuen Pläne an der GV in einem Jahr auflegen zu können.
An dieser Stelle sei allen, die sich mit viel Engagement und Herzblut für unsere Klasse auf vielfältige Art eingesetzt haben, ein herzliches Dankeschön überbracht. In diesem Sinne Mast und Schotbruch und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!

Freundlich grüssen im Namen des Vorstandes und der technischen Kommission,

Hannes Gubler          Günter Reisacher          Walter Müller


Vorschlag für die technischen Vorschriften als PDF Datei zum Download

Liste der Änderungen in den revidierten Vorschriften gegenüber der aktuellen Version

Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines, Technische Kommission abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Revision der „Technischen Klassenvorschriften 2010“

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.