Leetonnen Manöver

von Willii Gohl (willii.g@sailing-media.com)

Festgestellte Tatsachen

Gelb und Blau, beide überlappt, nähern sich der Leetonne. Blau mit Wind von Bb, Gelb mit Wind von Stb und befindet sich bereits an der Bahnmarke, als Blau in die Zone eintritt. Gelb rundet die Bahnmarke in einem weiten Bogen und halst ca. 1 1/2 Bootslängen in Lee der Bahnmarke. Als Gelb die Halse beendet, segeln beide Boot mit Wind von Bb. Blau ist ca. eine 3/4 Rumpflänge achteraus und ca. eine Bootsbreite nach Luv versetzt und ca. eine Rumpflänge unterhalb der Bahnmarke. Beide Boot luven anschließend. Als Gelb ca. 1 ½ Rumpflängen von der Bahnmarke entfernt ist (die Bahnmarke befindet sich jetzt Bb querab von Gelb) geht es durch den Wind und fällt auf einen neuen AmWind-Kurs mit Wind von Stb ab. Der Bug von Blau befindet sich nun genau querab von Gelb an dessen Backbordseite. Blau schiesst mit einem sog. „Manöver des letzten Augenblicks“ in den Wind und vermeidet eine Kollision. Gelb setzt seinen Kurs fort, Blau fällt anschließend ab und setzt seinen Kurs fort. Keines der Boote nimmt eine Strafe an.

Schlussfolgerungen und Regeln, die zur Anwendung kommen:

Gelb ist Wegerechtsboot und Boot mit Anspruch auf Bahnmarken-Raum. Es segelt ca. 1 ½ Rumpflängen an der Bahnmarke vorbei, bis es taktisch halst. Dies ist sein richtiger Kurs, keine Verletzung von Regel 18.4

Gem. 18.2(b) hat Gelb Anspruch auf Bahnmarken-Raum. Ab Pos.2 hat Gelb eine Innenüberlappung in Luv zu Blau hergestellt. Wir haben keinen Zweifel, dass Gelb seinen richtigen Kurs segelt. In Pos. 4 wurde die Überlappung gelöst, aber zwischen 4 und 5 erneut hergestellt, nach 18.2(b) und 18.2(c) muss Blau die ganze Zeit Bahnmarken-Raum geben, was es tut. In Pos. 5 geht Gelb durch den Wind und gem. 18.2(c) hört 18.2(b) auf zu gelten. Die Frage, ob nur Regel 18.2(b) aufhört zu gelten und Regel 18.2(a) weiter gilt, ist hier unerheblich, denn gleichermaßen haben die Boote jetzt den Wind von unterschiedlicher Seite (Gelb von Steuerbord und Blau von Backbord)und der richtige Kurs von Gelb erfordert noch eine Wende. Dies bedeutet, dass gem. Regel 18.1(b) Regel 18 nicht mehr gilt. Weiter befinden sich beide Boote, nachdem Gelb mit dem Bug durch den Wind gegangen ist, auf einem Kurs nach Luv mit Wind von unterschiedlicher Seite. Regel 18 gilt also auch wegen Regel 18.1(a) nicht mehr. Beide Boote unterliegen den Regeln der Abschnitte A und B der WR. Zwar hat Gelb seine Wende vollendet und Wegerecht nach Regel 10, aber Blau musste mit einem Manöver des letzten Augenblicks, mithin nicht auf seemännische Art und Weise, eine Kollision verhindern. Gelb gab Blau anfangs keinen Raum zum Freihalten, wie in Regel 15 gefordert.

Entscheidung:

Gelb ist zu disqualifizieren (Regel 15)

Anmerkung.

Hätten die festgestellten Tatsachen ergeben, dass Blau ein Ausweichmanöver einleiten muss, während Gelb die Wende noch nicht beendet hat, hätte Gelb sich nicht freigehalten, wie in Regel 13 gefordert und Gelb wäre wegen Verletzung von Regel 13 zu disqualifizieren gewesen.

Dieser Beitrag wurde unter Regatta, Taktik abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.