Kennst Du die Wettfahrtregeln?

Ab dieser Saison gelten die Wettfahrtregeln  Segeln 2009 – 2012. Vieles ist gleichgeblieben, einiges hat sich geändert. Um zu sehen, wie aktuell Euere Regelkenntnisse sind, werde ich in unregelmässigen Abständen eine Regelsituation, die so auch auf der Regattabahn auftritt/aufgetreten ist zur Diskussion stellen. Gebt Euere  Lösung – Nummer der Regel und Begründung-  einfach als Kommentar zu diesem Artikel an. Nach dem Pfingstwochenende werde ich dann die „offizielle“ Antwort, welche ich mit dem Swiss Sailing Regelspezialisten Hannes Gubler abspreche, hier publizieren. Unter den korrekten Lösungen verlosen wir einen der neuen LACUSTRE Wimpel.


Situation:

Die Wettfahrtleitung hat nach der Luvtonne noch eine Entlastungstonne gesetzt. Gelb rundet die Luvtonne klar voraus vor Blau und erreicht auch die Zone der Entlastungstonne klar voraus vor Blau. Gelb erwartet besseren Wind auf der rechten Seite des Kurses und will deshalb gleich an der Entlastungstonne halsen um auf die rechte Seite der Bahn zu gelangen. Blau will an der Entlastungstonne nur etwas abfallen  und gleich den Spi setzen.

Um die Entlastungstonne optimal zu runden fährt Gelb die Tonne hoch an. Blau sieht ein „Loch“ zwischen Gelb und der Tonne und steuert darauf zu und beginnt bereits mit den  Vorbereitungen zum Setzen des Spinackers. Mit der Halse von Gelb schliesst sich das Loch. Blau verlangt Raum, da es Wind von Steuerboard hat. Gelb seinerseits verlangt Bahnmarkenraum.  Im letzten Moment versucht Blau anzuluven um eine Kollision zu vermeiden. Trotzdem  kommt es zu einem leichten Zusammenstoss zwischen dem Bug von  Blau und dem Heck von Gelb.

 

Wer hat Wegerecht und warum?

Wer hat Wegerecht und warum?

Lösung:

Schreibt Euere Antworten als Kommentar zu diesem Artikel. Die korrekte Lösung publiziere ich dann nach Pfingsten an dieser Stelle.

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7 Antworten auf Kennst Du die Wettfahrtregeln?

  1. Willii Gohl sagt:

    Hallo Felix, Sie haben den Fall sehr gut erläutert, aber ACHTUNG, der Teufel steckt wieder im Detail: Ihr Satz: „Durch den Wind gehen bedeutet ausschliesslich “Wenden” aber nicht Halsen!“ ist zwar richtig gemeint, aber falsch formuliert und kann deshalb sehr leicht zu Mißverständnissen führen. In Regel 18.2c heißt es, „passes head to wind“, also: MIT DEM BUG durch den Wind gehen. Das ist entscheidend. „Durch den Wind gehen“ ganz allgemein, kann selbstverständlich auch bedeuten, dass man „mit dem Heck“ durch den Wind geht. Dies ist aber hier -wie richtig erkannt- nicht gemeint. Noch etwas: „mit dem Bug durch den Wind gehen“ ist noch lange keine Wende. Eine Wende wird es erst dann, wenn das Boot, nachdem es mit dem Bug durch den Wind gegangen ist, auf einen Am-Wind-Kurs abgefallen ist. Wenn es nur mit dem Bug durch den Wind gegangen ist, ist das noch keine Wende. Dies ergibt sich aus Regel 13, 1. Satz. Auch Ihre Erläuterung zum „Richtigen Kurs“ ist ebenso populär, wie weit verbreitet, wie nicht korrekt! In den nächsten Tagen finden Sie dazu auf http://www.sailing-media.com eine ausführliche Erläuterung.
    Viele Grüße, Willii Gohl

  2. Profilbild von Felix Somm Felix Somm sagt:

    Die korrekte Antwort ist bereits in Eueren Kommentaren enthalten. Trotzdem hier nochmals zusammengefasst:

    Fakten:
    Gelb erreicht die Zone der Entlastungsboje klar voraus von Blau. Gelb halst an der Tone und hat anschliessend Wind von Backboard während Blau weiterhin mit Wind von Steuerboard fährt. Blau versucht eine Kollision zu vermeiden, trotzdem kommt es zu einem leichten Zusammenstoss.

    Auflösung:

    Teil 2 der Wettfahrtregeln Segeln ist hierarchisch zu sehen. Nach Abschnitt A – Wegerecht hat Blau nachdem es eine Ueberlappung herstellt erst Wegerecht nach Regel 11 und nach der Halse von Gelb Wegerecht nach Regel 10. (vgl. Kommentar von Willii Gohl).

    Das Wegerecht nach Abschnitt A wird nun aber eingeschränkt durch Abschnitt B „Allgemeine Einschränkungen“ und Abschnitt C – „An Bahnmarken und Hindernissen“. Blau muss deshalb, als zum Zeitpunkt zu dem Gelb die Zone erreicht klar achteraus liegendes Boot Bahnmarken-Raum gewähren. Regel 18.2. (b).
    Blau muss den Bahnmarken-Raum auch gem. Regel 18.2. (c) weiter gewähren, nachdem es die Ueberlappung hergestellt hat und der Bahnmarken-Raum von Gelb endet auch mit der Halse von Gelb nicht. Durch den Wind gehen bedeutet ausschliesslich „Wenden“ aber nicht Halsen!

    Der Bahnmarken-Raum ist gemäss Definition der Raum, den Gelb benötigt um zur Tonne und an der Tonne seinen richtigen Kurs (Definition) zu segeln, also den Kurs, den Gelb in Abwesenheit anderer Boote segeln würde. Es steht Gelb damit frei die linke oder rechte Seite (mit Halse) der Bahn zu wählen. Biedes sind mögliche „richtige Kurse“.

    Da es nur eine leichte Berührung war, darf Gelb nach Regel 14 (b) nicht bestraft werden.

    Blau muss eine Strafe auf sich nehmen und Gelb hat das Recht nach Regel 60.1. (a) gegen Blau zu protestieren. Hier sei nochmals auf die Protesterfordernisse hingewiesen, welche bei einer LACUSTRE verlangen, dass der Protestgegner nicht nur bei der ersten zumutbaren Gelegenheit durch den Zuruf „Protest“ informiert werden muss sondern auch die Protestflagge gesetzt werden muss. Die erste zumutbare Gelegenheit ist hier sofort und nicht etwa erst an der nächsten Bahnmarke, wenn festgestellt wurde, dass Blau nicht freiwillig eine Strafe angenommen hat.

    Ich habe diesen Fall mit Absicht gewählt, da bei LACUSTRE Regatten zu oft übersehen wird, dass eine LACUSTRE bei einem solchen Manöver an der Boje stark abgebremst wird und durch die Länge und den Drehpunkt auch sehr viel Bahnmarken-Raum benötigt. Die vermeindlichen Lücken, welche sich für das achteraus segelnde Boot zeigen, schliessen sich praktisch immer.

  3. Daniel sagt:

    Fast genau dieser Fall ist uns gestern (01.06.09) an der Pfingstregatta passiert, wobei wir das Schiff „blau“ waren und ausweichen mussten um einen Zusammenstoss zu verhindern.
    Die Diskussion über das Wegerecht wurde mit Boot „gelb“ leider nicht zu Ende geführt.
    Andreas kennt die Regeln sehr gut, also vertraue ich seiner Antwort 😉

  4. Willii Gohl sagt:

    Entschuldigung, in meinem Kommentar war die e-mail Adresse falsch geschrieben, richtig ist willii.g@sailing-media.com
    willii mit 2 ii!

  5. Willii Gohl sagt:

    Bei der Beantwortung der Frage ist genau auf die Formulierung zu achten. Wegerecht hat nichts mit Bahnmarken-Raum oder Raum zu tun und es war nur nach Wegerecht gefragt. In den Positionen 1-5 hat Gelb Wegerecht wegen Regel 12. In Pos. 6 hat Blau Wegerecht wegen Regel 11 und in Pos. 7 hat Blau Wegerecht wegen Regel 10. Gleichwohl hat das Wegerechtsboot Verpflichtungen, Andreas hat sie korrekt beschrieben. In der Frage ging es allerdings ums Wegerecht. Wir dürfen nicht vergessen, dass nach den neuen Regeln, die Regeln gleichzeitig gelten, was dazu führt, dass man Wegerecht haben kann und trotzdem Bahnmarken-Raum geben muss. Gleichwohl sollten sich alle „Regelgurus“ angewöhnen, hier sehr fein und präzise zu unterscheiden.

  6. Andreas sagt:

    Wegen Regel 18.2.c ist blau verpflichtet, Gelb Bahnmarkenraum zu gewähren.
    Gelb halst an der Boje und hält Regel 18.4 ein.
    Es kommt zu einer Berührung ohne Schaden oder Verletzung, deshalb ist Blau von Verletzung der Regel 14 zu entlasten.
    Falls sich Blau nicht eine Strafe auf sich nimmt ist Blau zu disqualifizieren.

  7. Profilbild von Felix Somm Felix Somm sagt:

    Unter den richtigen Lösungen verlosen wir einen der neuen LACUSTRE Wimpel. Die Lösung besteht aus der Nummer der Regel(n) und einer kurzen Begründung

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